
Keynotes
TACON 2026
09:30–10:30 | Stage 1 | 16. September 2026
Aus großem Vertrauen folgt große Verantwortung – wie man Teams zu Höchstleistungen befähigt, um kontinuierlich Software in Spitzenqualität zu liefern
Vor 16 Jahren arbeitete Michael Kutz als Junior-Entwickler in einem riesigen Projekt. Die Lage war düster: Release-Züge mit starren Zeitplänen, auf die endlos lange Bugfixing-Phasen folgten. Es war kaum auszuhalten; wahrscheinlich hatte niemand Freude an der Arbeit, und die gelieferte Qualität lag weit unter den gewünschten Standards.
Ein Jahr später hatte sich vieles verändert. Plötzlich arbeitete er in einem Team, das bereits vor Ablauf der Deadlines hohe Qualität lieferte, eigene kreative Wege dafür fand und jede Menge Spaß bei der Arbeit hatte. Es fühlte sich an, als wären sie von einer radioaktiven Spinne gebissen worden und hätten Superkräfte entwickelt.
Seit diesem Team hat er versucht, diesen Geist in jedem neuen Team, dem er beitrat, zu reproduzieren – die Spinne zu finden, die sie damals gebissen hat. Manchmal gelang es ihm, manchmal nicht.
In diesem Talk wird er von seinen Versuchen berichten. Von Dingen, die extrem wichtig erschienen, sich aber als bloße Details herausstellten, die das Team der Quelle der Superkräfte kein Stück näher brachten. Und von Details, die unwichtig wirkten, sich aber als essenziell erwiesen und sie letztlich näher an ein „Superhelden-Team“ herangeführt haben. Er spricht darüber, warum er heute glaubt, dass Vertrauen und Verantwortung die wichtigsten und ersten Komponenten sind – und welche weiteren Faktoren entscheidend sind, um ein Team aufzubauen, das die Superkraft besitzt, kontinuierlich und hocheffizient Software in Spitzenqualität zu liefern.

Staff Engineer
Entropy Data
Michael Kutz ist seit Juni 2026 Staff Engineer bei Entropy Data. Zuvor prägte er über ein Jahrzehnt als Principal Engineer bei REWE digital maßgeblich den Aufbau der agilen Entwicklung, Testautomatisierung und SRE-Praktiken. Er hat nicht nur komplexe E-Commerce- und Fulfillment-Plattformen skaliert, sondern auch konzernweite QA-Standards etabliert. Als international anerkannter Speaker und Autor (u.a. bei InfoQ) brennt Michael besonders für die psychologischen Aspekte der Softwareentwicklung – wie etwa kognitive Verzerrungen – und deren Einfluss auf unsere Systeme. Zudem engagiert er sich stark in der Open-Source-Community, allen voran als Initiator und Maintainer von ApproveJ (approvej.org). Wenn er nicht gerade Code oder Systeme analysiert, schnürt er gerne die Laufschuhe, spielt Computerspiele oder taucht in Science-Fiction-Welten ein.
09:15–10:00 | Stage 1 | 17. September 2026
Automatisiert denken – von testbaren Requirements zu KI-generierten Tests für Steuergerät und Web-App
KI-Unterstützung wird ermöglichen, was die mathematisch formale Beschreibung von Systemen nie geschafft hat, nämlich eine menschliche Intention automatisch in eine Spezifikation und letztendlich Tests zu übersetzen!
Diese Keynote zeigt praxisnah und nachvollziehbar, wie KI als Übersetzerin zwischen Menschen und (Test-)Maschine eingesetzt werden kann und warum der eigentliche Hebel dabei nicht im KI-Modell selbst liegt, sondern in der Qualität und Struktur der Requirements.
Im Mittelpunkt steht ein dreistufiges Vorgehen: Zunächst werden natürlichsprachliche Requirements mithilfe von KI systematisch analysiert. Unklarheiten, Inkonsistenzen und Schwächen werden transparent gemacht und gezielt verbessert. Statt Requirements „einfach hinzunehmen“, werden sie so zu einer belastbaren Grundlage für weitere Automatisierungsschritte. Im zweiten Schritt wird die KI bewusst in etablierte Testmethodiken eingebettet – etwa Äquivalenzklassentests, Grenzwertanalysen oder Pair-Wise-Testing. Auf Basis der verbesserten Requirements leitet sie strukturierte, nachvollziehbare Testfälle ab, ohne frei zu halluzinieren. Im dritten Schritt werden diese Testfälle schließlich in automatisiert ausführbare Testskripte übersetzt – sowohl für Embedded- als auch für klassische IT-Systeme.
Das Vorgehen wird anhand konkreter Beispiele vorgestellt. Der erste Teil basiert auf einer gemeinsamen Masterarbeit mit Vector Informatik und einem Luftfahrtzulieferer, in der bewusst zwei vergleichsweise kleine LLMs eingesetzt wurden, um die industrielle Praxistauglichkeit realistisch zu bewerten. Ergänzend werden Ergebnisse eigener systematischer Untersuchungen zu Tools präsentiert, die aus Requirements automatisiert Testfälle erzeugen. Dabei wird klar: Der Mehrwert von KI entsteht nicht durch Magie, sondern durch saubere Methodik.
Neben den Chancen werden auch offene Herausforderungen adressiert – etwa Nachvollziehbarkeit, Vertrauen und Safety-Aspekte. Da die Vortragenden aus der Embedded-Safety-Welt kommen, schlagen sie bewusst eine Brücke zur IT: Anhand ähnlicher Requirements wird gezeigt, wie ein gemeinsamer KI-gestützter Ansatz beide Domänen verbinden kann, trotz unterschiedlicher Testtiefen und regulatorischer Rahmenbedingungen.
Die Keynote holt die Teilnehmenden ab, liefert konkrete Denkanstöße für die eigene Praxis und vermittelt eine klare Vision, wie KI Ingenieurinnen und Ingenieure sinnvoll unterstützen kann – fachlich fundiert, greifbar und mit einem Augenzwinkern.

Geschäftsführung
Heicon – Global Engineering GmbH
Dipl.-Ing. (FH) Martin Heininger, verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich von Methoden und Prozessen für die Entwicklung von sicherheitskritischen Embedded Systemen. Er begleitete langjährig zahlreiche namhafte Kunden in DO 178 Luftfahrtprojekten vom ersten Softwarekonzept bis zur abschließenden erfolgreichen Zulassung durch die Behörden. Basierend auf diesem Wissen berät er auch viele Kunden in der Automobilbranche, der Bahnindustrie und der Automatisierungstechnik in sicherheitsrelevante Softwareprojekte erfolgreich.

Beratender Systemingenieur
Heicon – Global Engineering GmbH
August Weiß ist beratender Systemingenieur bei HEICON – Global Engineering GmbH und unterstützt Kund*innen aus Branchen wie Railway, Agrar und Medizintechnik bei der Entwicklung komplexer Embedded-Softwaresysteme. Sein Fokus liegt auf Requirements Engineering, Testing sowie Softwarearchitektur – insbesondere in sicherheitskritischen und qualitätsgetriebenen Entwicklungsumgebungen. Seinen Master in Wirtschaftsinformatik absolvierte er 2023 an der Technischen Universität München. In seiner von der Vector Informatik GmbH betreuten Masterarbeit untersuchte er den Einsatz von KI-Netzwerken zur Analyse natürlichsprachiger Requirement-Texte. Bereits zuvor legte er mit seinem Bachelorstudium der Informatik an der Universität Innsbruck, ebenfalls mit Schwerpunkt im KI-Bereich, die Grundlage für seine heutige Tätigkeit.

Deine Ansprechpartnerin
Yvonne Kiepert
Team Lead Conferences & Training
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